Wenn der Trend dich killt: Was Coaches jetzt wirklich brauchen
Die Fitnessbranche boomt – aber falsche Sichtbarkeitsstrategien kosten Coaches Glaubwürdigkeit, Gesundheit und Klienten.
Der Markt wächst. Und trotzdem läuft etwas schief.
Der UK-Pilates-Markt hat laut Streamlinefeed eine Bewertung von 1,1 Milliarden Pfund erreicht – Männer strömen in Kurse, die sie vor zwei Jahren noch belächelt hätten. In Deutschland bringt der DSSV e. V. mit seiner Aktion “United let’s move” sogar Politiker zum Schwitzen, direkt vor dem Reichstag. Die Branche hat Rückenwind. Und doch liefert sie gerade eine der erschreckendsten Storys seit Jahren.
Ein Fitness-Coach aß laut BoxLife Magazine einen Monat lang täglich 10.000 Kalorien – um damit einen Abnehm-Kurs zu vermarkten. Er starb im Schlaf. Er war 30 Jahre alt.
Das ist kein Einzelfall eines schlechten Menschen. Das ist das Symptom eines kaputten Aufmerksamkeits-Systems, in das auch gut gemeinte Coaches hineingezogen werden.
Sichtbarkeit um jeden Preis – das ist das eigentliche Geschäftsmodell
Während Jamieson Wellness für C$ 45,75 pro Aktie übernommen wird und Medienunternehmen wie HardScope (laut Variety) ganze digitale Serien rund um Creator-IP aufbauen, wird eines klar: Das Geld fließt dorthin, wo Aufmerksamkeit ist. Nicht zwingend dorthin, wo Qualität ist.
HardScope setzt dabei auf Creator-geführte Inhalte – also auf Persönlichkeiten, die eine Community aufgebaut haben. Das ist kein schlechtes Modell. Aber es erzeugt einen Druck, den viele Coaches unterschätzen: Wer keine Story hat, existiert nicht. Und wer eine Story braucht, greift irgendwann zu radikalen Mitteln.
Die fünf Übungen, die ein Hindustan-Times-Coach für Home-Workouts empfiehlt, interessieren den Algorithmus herzlich wenig. Einen Coach, der sich selbst zur Versuchsperson macht? Den teilt man weiter.
Was du als Coach jetzt konkret anders machen kannst
Du brauchst keine Provokation. Du brauchst eine klare Positionierung, die ohne Selbstzerstörung funktioniert. Hier sind drei Prinzipien, die sofort umsetzbar sind:
1. Baue auf Transformation, nicht auf Drama. Der Pilates-Boom bei Männern ist nicht durch Schock-Content entstanden – er ist durch wiederholte, glaubwürdige Ergebnisse gewachsen. Zeig den Prozess deiner Klienten, nicht dein eigenes Extrem-Experiment.
2. Denk wie ein Medienunternehmen, aber bleib Coach. HardScope baut IP rund um Persönlichkeiten – du kannst das im Kleinen tun. Eine Serie von kurzen Trainingsvideos, ein wiederkehrendes Format, ein konsequenter Standpunkt. Kein viraler Stunt nötig.
3. Deine Gesundheit ist dein Produkt. Das klingt offensichtlich. Ist es aber nicht – sonst wäre der Coach aus der BoxLife-Story noch am Leben. Wenn dein Marketing dich körperlich oder mental kompromittiert, ist es kein Marketing mehr. Es ist Selbstschädigung.
Die Branche hat Momentum. Nutze es – aber nicht auf Kosten dessen, was du deinen Klienten eigentlich verkaufst: ein besseres, längeres Leben.
Quellen
Zahlen aus öffentlichen Quellen, Stand 2026-09-29. Schätzungen verschiedener Häuser variieren; wir verlinken, damit du selbst prüfen kannst.
